Barrierefreie Softwareentwicklung mit Java, Java Access Bridge (2/3)

Dieser Artikel erklärt, was die Java Access Bridge ist, wie sie installiert wird, und warum sie für die barrierefreie Softwareentwicklung mit Java wichtig ist.

Was ist die Java Access Bridge?

Die Java Access Bridge (abgekürzt JAB) übermittelt Informationen für die Barrierefreiheit von Java-Komponenten zu den unterstützenden Technologien, wie zum Beispiel Screenreader. Ein Screenreader ist eine Software, die Blinden und Sehbehinderten den Bildschiminhalt vorliest. Eine genauere Erklärung bezüglich Screenreader finden Sie in meinem ersten Artikel.

Nochmal etwas praktischer ausgedrückt: Die Java Access Bridge sorgt dafür, dass Texte, die in den Swing-Komponenten hinterlegt werden, an den Screenreader übertragen werden. Wenn die Java Access Bridge nicht installiert ist, können Blinde, trotz barrierefreier Softwareentwicklung, nicht mit der Java-Software arbeiten.

Wie wird die Java Access Bridge installiert?

Früher war die Installation der Java Access Bridge sehr umständlich. Die einzelnen Dateien mussten von Hand in unterschiedliche Verzeichnisse kopiert werden. Seit der Java Runtime Environment (abgekürzt JRE) 7, wird die Java Access Bridge mit der JRE installiert. Leider ist die Java Access Bridge nach der Installation der JRE nicht sofort aktiv.

Das aktivieren der JAB ist seit Windows 8 über die Windows-Benutzeroberfläche etwas kompliziert geworden. Sie müssen die Systemsteuerung unter Windows aufrufen und dort Erleichterte Bedienung → Visuelle Darstellung des Bildschirms optimieren und dort ganz hinunter scrollen. Dort erscheint Java Access Bridge aktivieren zum Anklicken.

Java Access Bridge in den Windows Einstellungen
Java Access Bridge in den Windows Einstellungen

Das Aktivieren über die Windows-Oberfläche hat Nachteile. Sie erkennen nicht, ob Sie die JAB für 32-Bit oder 64-Bit aktivieren und Sie können nur genau eine Java Access Bridge aktivieren.

Für Programmierer, die nicht blind sind ist das alles nicht so schlimm.

Programmierer, die blind sind und mit Android Studio, NetBeans oder IntelliJ IDEA arbeiten möchten, gibt es ein Problem. Damit die Java Access Bridge mit diesen Entwicklungsumgebungen funktioniert, muss die Java Access Bridge 32-Bit und 64-Bit installiert und aktiviert sein. Hier sind die Möglichkeiten der Windows-Oberfläche ungenügend.

Automatisiert geht es über die DOS-Befehlszeile. Über die Kommandozeile lässt sich die Java Access aktivieren, etwa über folgende Batch-Datei:

REM ggf. Anpassung der Version nötig
SET VERSION=1.8.0_112
"C:\Program Files\Java\jre%VERSION%\bin\jabswitch" -enable
"C:\Program Files (x86)\Java\jre%VERSION%\bin\jabswitch" -enable

Wenn Sie jetzt die Verknüpfung dieser DOS-Batch-Datei auf den Windows-Desktop legen, dann können Sie beide Versionen der Java Access Bridge über die Windows-Oberfläche aktivieren.

Autor: Markus Lemcke
Link: www.marlem-software.de

Über Christian Ullenboom

Ich bin Christian Ullenboom und Autor der Bücher ›Java ist auch eine Insel. Einführung, Ausbildung, Praxis‹ und ›Java SE 8 Standard-Bibliothek. Das Handbuch für Java-Entwickler‹. Seit 1997 berate ich Unternehmen im Einsatz von Java. Sun ernannte mich 2005 zum ›Java-Champion‹.

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