Mit RoboVM geht’s für Java in das iOS-Land

Normalerweise nimmt eine JVM den Bytecode der Hauptklasse, lädt zur Laufzeit Klassendateien nach, interpretiert diese und übersetzt sie Zwecks Optimierung in Maschinencode. Dem gegenüber steht ein anderer Ansatz, der sonst eher typisch für klassische Programmiersprachen ist, genannt ahead-of-time-Compilation. Bei diesem Verfahren ermittelt ein Werkzeug zunächst alle abhängigen Typen und generiert dann direkt Maschinencode für eine Plattform — kein Interpreter ist somit nötig. Für Java sind solche Compiler selten, aber wer Java auf iOS-Geräten nutzen möchte, kommt darum nicht herum, denn Apple gestattet keine interpretierten Sprachen auf den kleinen Geräten. Dafür springt RoboVM (http://www.robovm.org/) ein, eine Open-Source-Software unter der GPL- und Apache-Lizenz, die Java-Programme direkt in Maschinencode (ARM bzw. x86 Code) übersetzt. Zum Bauen der Zieldateien nutzt RoboVM unterschiedliche Tools, um eine Kette von Schritten zu realisieren: Zunächst übersetzt ein installierter LLVM den Bytecode in Assembler-Code, dann folgt ein Tool, was Assembler-Code in Binärcode umsetzt, und dann ein Linker für den letzten Schritt, der das Ergebnis zusammensetzt; Assembler und Linker kommen vom GCC. Die Übersetzung ist kein großer Akt, denn für RoboVM ist ein Eclipse-Plugin verfügbar, in dem die App auch – zumindest beim Mac – im Simulator gestartet werden kann.

RoboVM bietet den Entwicklern die Standard-Klassen der Java-Bibliothek sowie sie auch bei Android verfügbar sind und bildet die Klassen der iOS-Bibliothek (genannt Cocoa) auf Java ab. Weiterhin integriert es die Typen vom Android-Paket und die OpenGL ES API, sodass Android-Anwendungen auch unter iOS abgebildet werden können. Interessant wird das Projekt auch durch eine Umsetzung von JavaFX, sodass die proprietären Cocoa-Bibliotheken nicht verwendet werden müssen, und es im Prinzip möglich ist, die gleiche Java-Anwendung auf iOS oder Windows, Linux, … zum Laufen zu bringen. Bisher ist RoboVM in einer frühen Phase.

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